Daniela Strobl. Zertifizierte Yogalehrerin


WIRED AND TIRED

Von „wired and tired“ spricht man, wenn der Körper erschöpft, aber nicht entspannt ist. Dieser Zustand entsteht selten aus akuter Überforderung, sondern aus chronischer, subtiler Anspannung. Dauerhafte Reizüberflutung, emotionale Belastung oder ständige Erreichbarkeit führen dazu, dass das Nervensystem sich schwer tut, zwischen Aktivität und Ruhe zu wechseln. Man bleibt gewissermaßen in einem Zwischenzustand hängen, unser System gerät aus dem Takt.

Wenn wir in unserer Yogapraxis bewusst Empfindungen suchen, die sich angenehm anfühlen – z.B. Wärme in den Händen, ein Gefühl von Länge in der Wirbelsäule, das weiche Ausdehnen unseres Atems – und uns Zeit nehmen, diese bewusst zu spüren und zu genießen, dann senden wir ein Signal ans Nervensystem: hier gibt es eine Gelegenheit für Erholung und Regeneration. Dieses Erleben ist wirksamer als jeder Gedanke, weil es direkt aus dem Körper kommt. Statt den Kopf zu beruhigen, verändern wir den Input fürs Gehirn. Es geht nicht darum, intensive Glücksgefühle zu erzeugen. Im Gegenteil: Zu starke Reize können uns noch mehr aktivieren. Es geht darum kleine, stabile Anker zu finden. Vielleicht ist es nur das Gewicht unseres Körpers auf der Matte oder das Gefühl, wie die Luft unsere Nasenflügel streift. Wenn wir in sowas eintauchen, ist das Balsam für unser Nervensystem. Wir machen die Übungen nicht, um etwas zu erreichen, sondern um zu spüren.

So gesehen ist der Fokus auf angenehme Körperempfindungen kein nettes Extra im Yoga, sondern zurück in einen regulierten Zustand zu finden und Erholung zu tanken.