Daniela Strobl. Zertifizierte Yogalehrerin


ENTSPANNUNG

Wir stehen alle auf die eine oder andere Art unter Stress. Und Stress sitzt nicht nur in unserem Kopf, sondern in unseren Gelenken, Muskeln, Faszien, Organen und sogar in unseren Zellen. Anspannung erschwert eine freie Atmung und schränkt unsere Bewegungsfreiheit und unser Gefühl von Lebendigkeit ein. Sie lässt uns härter werden – innen wie außen. Außerdem werden unsere Knorpel und Bandscheiben ausgehungert, weil durch das Zusammenziehen der Muskulatur der Platz im Gelenksraum zu eng wird und nicht genug Platz da ist, damit Gelenksflüssigkeit durch die Knorpelgewebe pulsiert. Auch eine gute Durchblutung braucht Weite im Gewebe, damit das Blut gut überall hinkann. Das selbe gilt für das Lymphsystem, das Giftstoffe aus dem Körper ausleitet. Und: Anspannung kostet Kraft, weil unsere Muskeln die ganze Zeit mehr arbeiten als vorgesehen. Je länger ein Muskel angespannt ist, desto steifer und schwächer wird er. Wir assoziieren mit Entspannung oft „nichts tun“ und das ist EIN wichtiger Aspekt, aber auch Bewegung gehört dazu.

Und zwar Bewegung, bei der sich unser Körper wohlfühlt und den Ausgleich zum Alltag bekommt, den er braucht – dann lässt er als Reaktion auf dieses angenehme Körpergefühl INSTINTIV locker, Verspannungen lösen sich, wir bekommen wieder mehr Bewegungsfreiheit, unsere Knorpel und Bandscheiben, aber auch alle anderen Zellen im Körper können sich besser regenerieren.

Körper brauchen in sich RAUM und WEITE, um sich wohl zu fühlen.

Wir schließen die Augen und geben uns Zeit zum Spüren, zum Im-Körper-Landen. Wir lassen wirken, wo wir ein bisschen lockerlassen können, wo wir aus dem Lot sind, wo wir unser Gewicht ein wenig verlagern können, um uns ausbalancierter zu fühlen. So dass wir ganz langsam beginnen, uns Schicht für Schicht bequem einzurichten und schließlich ganz weich von innen in unserer Haut residieren. Wir schälen uns Atemzug für Atemzug langsam aus dem Lärm des Alltags. Wir spüren unser Inneres als atmenden, lebendigen Raum, nehmen ein sanftes Weiter- und Vollerwerden im Einatem wahr, ein langsames Nachgeben im Ausatem, lassen uns Schicht für Schicht tiefer nieder – in unserem ganz persönlichen Universum unter der Haut. Wenn wir in der Wahrnehmung unserer eigenen körperlichen Präsenz zu ruhen beginnen, beruhigt sich unser Nervensystem. Es stellt sich ein Gefühl von In-Uns-Aufgehoben- und Verankert-Sein ein. Wenn wir in diesem Gefühl ruhen, können sich Schicht für Schicht die Reaktionen auf die Hektik unseres Alltags legen und aus dem Körper lösen. Wir pendeln uns in unserer inneren Architektur in einer körperlichen Mitte ein und ruhen in einer gemütlichen Weite –
und auf dem Weg dahin haben sich Anspannungen schon ein bisschen gelockert und der Atem hat sich vertieft.

Dann, wenn wir schon ein wenig weicher sind, tauchen wir in sanfte Bewegungen ein, strecken und breiten uns endlich durch die engen, verspannten Stellen in alle Richtungen aus, rühren uns da, wo wir lange stillgehalten haben, wurschteln uns behutsam aus alltäglichen Halte- und Bewegungsmustern heraus, indem wir uns Bewegungen gönnen, die im Alltag fehlen. Wir massieren uns durch die Übungen von innen durch, gleiten durch die Gelenke, wecken unsere Tiefenmuskulatur und bringen behutsam unsere Kraft in fließen. Der Atem strömt ruhig durch uns durch, während sich die Bewegungen weich und fließend aus der Tiefe heraus entfalten und wir uns von innen her öffnen, langsam und mit Gefühl. Bis wir uns mit jeder Faser auf angenehme Weise spüren, von den Knochen bis in die Haut.

Und in dieses Gefühl lehnen wir uns dann zur Krönung zurück in eine angeleitete Tiefenentspannung und ruhen in diesem angenehmen, erholsamen Zustand.